Handball: Männer und Frauen des HVH im Pokal-Finale

Während die Ladys des HV Haselbachtal Kamenz aufgrund eines Sohlander Verzichts kampflos ins Endspiel einziehen konnten, standen die Herren des gleichen Vereins vor der schwierigen Halbfinalaufgabe beim LHV Hoyerswerda II, derzeit im Kopf-an-Kopf-Rennen mit Cunewalde II um die Meisterschaft in der Regionsoberliga. Die zuletzt wenig überzeugenden Auswärtsauftritte des Cupverteidigers sorgten dafür, dass nur eine kleine Fangemeinde in die Zusestadt mitgereist war, und auch das Trainer-Duo Mirko Herrmann/Alexander Miehle plagte aufgrund des Fehlens der Hübner-Brüder wieder Personalsorgen.

Wenigstens hatte Benjamin Werner seine Verletzung auskuriert, und so stellte sich im Kern ein Juniorteam dem Favoriten, mit nur zwei Feldspielern als Wechselalternative. Die Bank der Hausherren war hingegen überfüllt – ein elementarer Vorteil vor allem mit zunehmender Spielzeit. Sollte man zumindest meinen, doch es kam anders. Aber der Reihe nach.

Die Lessingstädter begannen konzentriert und führten in der 11. Minute mit 6:4. Nur Torwart Eric Nitsche war etwas vom Pech verfolgt und schien sich für einen Austausch zu empfehlen. Zum großen Glück hielten die Verantwortlichen an ihm fest, und in der Folge verbesserte sich der Keeper kolossal, war mit hauptverantwortlich für eine erstaunlich torarme erste Halbzeit. Denn das genannte 4:6 hielt geschlagene sieben Minuten, wobei sich die Gäste auf das Holzgestänge des LHV-Gehäuses eingeschossen hatten, aber auch an Schlussmann Bastian Kaiser scheiterten. Kurzum, zur Pause hieß es 9:8, und noch war alles offen. Was an und für sich schon einer kleinen Überraschung gleichkam. Doch es wurde noch interessanter.

Während die Blauhemden keinerlei Konditionsschwächen offerierten, machten sich die häufigen Wechsel bei der Sachsenliga-Reserve eher negativ bemerkbar. So drehte der HVH nicht nur das Resultat, sondern kam durch den ansonsten erstaunlich viele „Fahrkarten“ geworfen habenden Werner per Konter zu einem Zwei-Tore-Vorteil (13:15/43. min). Zwar schaffte LHV II noch einige Male den Gleichstand (zuletzt 19:19/52. min), ging aber nicht mehr in Führung. Und als Nicolas Herrmann in der Schlussminute nach bärenstarkem Alleingang das 22:24 erzielte, schien der erneute Finaleinzug perfekt.

Das Drehbuch hielt freilich eine Thriller-Variante parat, wobei auch die Schiedsrichter eingriffen: Nach Erik Kaasche’s Anschluss hoben sie – aus was für Gründen auch immer – mit dem Kamenzer Anwurf sofort den Zeitspiel-Arm; der Ball ging verloren, und weil Torwart Nitsche bei Freiwurf des LHV angeblich das Spiel verzögerte, gab es für ihn den roten Karton und dazu Siebenmeter – so oder so die absolute Höchststrafe, denn eine Verlängerung wäre den Lessingstädtern kaum bekommen. Jork wechselte ins Gehäuse, und Gastgebers Rekordschütze Marko Gäbler (121 Liga-Treffer, davon 46 Strafwürfe) trat zur Exekution an, warf das Runde jedoch an den hochschnellenden rechten Arm seines Gegenübers.

Der Riesenjubel infolge des 24:23-Triumphs war in jeder Hinsicht verständlich: Selten überzeugte der HVH so sehr im Kollektiv wie an diesem Samstag-Nachmittag. Der Blick auf die Trefferstatistik verrät, dass niemand herausragte; hervorzuheben wären allenthalben Nitsche’s enorme Steigerung und ein Julien Seidel, der dieses Mal nicht nur wie gewohnt in der Abwehr, sondern auch als Torschütze glänzte. Na dann: Auf ins Finale!

HVH mit: Nitsche, Jork, Hedermann; Seidel (5), Rietschel (5), Herrmann (4), Werner (4), Pöhland (3), Oswald (2), Kunath (1), Schäfer

Text: Old Fred